Sachbuchempfehlungen – und jetzt auch Abholmöglichkeit

Keller, Stefan: Spuren der Arbeit. Von der Manufaktur zur Serverfarm. 
Rotpunkt Verlag 2020, Fr. 38.00
ISBN ‪978-3-85869-869-8‬

Das Buch erscheint Anfang Mai und kann vorbestellt werden.

Am 15. Januar 1801 geht Friedrich Hölderlin von Konstanz nach Hauptwil, um dort eine Stelle als Hauslehrer in einer Fabrikantenfamilie anzutreten. Hauptwil ist zu jener Zeit eine einzige Textilmanufaktur, ein protoindustrielles Musterdorf. 50 Kilometer weiter liegt Diessenhofen. Dort steht seit 2013 eines der weltweit wichtigsten Serverzentren für internationalen Zahlungsverkehr. Was verbindet das Hauptwil von damals mit dem Diessenhofen von heute?Stefan Kellers groß angelegte historische Reportage zeigt 200 Jahre Geschichte der Arbeit exemplarisch im Kanton Thurgau am Bodensee, eine Entwicklung, die sich so ähnlich an vielen Ort ereignet hat. Die Zusammenhänge dieser Weltgeschichte werden erst in der Betrachtung des einzelnen Geschehens so richtig sichtbar: Man erfährt von Stickern und Nachstickerinnen, von Eisengießern, Knechten und Mägden, von Kinderarbeit, Hungersnot und dem Glück von Textilkaufleuten am anderen Ende der Welt, von jungen Italienerinnen, die in wilde Streiks treten und von der Feuerwehr abgespritzt werden. Erfolgsgeschichten, Rückschläge, Wirtschaftskrisen, revolutionäre Umtriebe, soziale Umwälzungen – ein weit aufgespanntes Panorama, konsequent von den Menschen und ihren Biografien her erzählt.

Lindt, Nicolas: Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Porträts, Geschichten und Reportagen aus dem Jahr der „Bewegung“ 1980 / 81Edition 8 2020, Fr. 24.00ISBN ‪978-3-85990-393-7‬

Zürich war wie verwandelt. ‚Züri brännt!‘ Wochenende für Wochenende wurden die Geschäfte der Bahnhofstrasse aus Angst vor Zerstörung verrammelt. Obwohl die Polizei mit Grossaufgeboten bereitstand, kam es immer wieder zu neuen Demonstrationen. Nahezu 4000 Personen wurden verhaftet, 1000 Strafverfahren eröffnet. Beinahe ein ganzes Jahr lang befand sich die Stadt in einem permanenten Ausnahmezustand. Es war das Jahr der ‚Bewegung‘. Sie entzündete sich im Mai 1980 nach einem 60-Millionenkredit für das Opernhaus. Sie war kreativ und radikal, forderte alles und forderte es sofort. »Tragt die Alpen ab – Freie Sicht aufs Mittelmeer!« Ihr Kampf konzentrierte sich auf ein Abbruchgebäude hinter dem Hauptbahnhof. Das AJZ. Es wurde nach Krawallen eröffnet und nach neuen Krawallen wieder geschlossen. Jugendliche ebenso wie ehemalige 68er bekannten sich zur ‚Bewegung‘. Nicolas Lindt war einer von ihnen. Als Mitbegründer der Zeitung ‚Eisbrecher‘ befand er sich mittendrin im Geschehen. So entstand auch sein Buch ‚Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom‘ – persönliche, in die Tiefe gehende Interviews mit Bewegten, die dem Geist der Revolte eine Sprache verliehen. Vier Jahrzehnte danach erscheinen die erstaunlich aktuellen Porträts von 1980 in einer erweiterten Neuausgabe, zusammen mit Reportagen von Nicolas Lindt aus dem Jahr der ‚Bewegung‘ und einem Gespräch des Autors mit einem der Interviewten von damals über die Ereignisse 1980 aus heutiger Sicht. Ein fesselndes Zeitdokument – und eine Inspiration für die jungen Bewegten von heute.

Vuillard, Éric: Der Krieg der Armen. 
Mathes und Seitz 2020, Fr. 22.90
ISBN ‪978-3-95757-837-2‬
E-Book ‪978-3-95757-903-4‬

Dürfen die Armen wütend sein, dürfen die an den Rand Gedrängten sich ihre Rechte erkämpfen, notfalls mit Gewalt? Luther sprach ihnen im Zuge der Bauernkriege dieses Recht ab, ein anderer Reformator jedoch schlug sich auf ihre Seite und prägte die beiden Jahre des Aufstands entscheidend. Der Drucker, Utopist, Brandredner und Theologe Thomas Müntzer hatte nicht weniger als einen Sturz der Obrigkeit im Sinn – mit religiösen wie ganz und gar weltlichen Argumenten stellte er sich dem ausbeuterischen Feudalsystem entgegen. Der Preis für seinen Mut war hoch: Für seine sozialrevolutionären Ideen wurde er bereits zwei Jahre nach Beginn der Aufstände enthauptet, doch sein Drängen nach Gerechtigkeit hat ebenso überlebt wie das Selbstverständnis der oberen Klassen, mit dem sie ihre Privilegien rechtfertigen.
Vuillard setzt dieser außergewöhnlichen historischen Figur ein fulminantes literarisches Denkmal und beweist mit seiner temporeichen Schilderung der Aufstände, dass Müntzers Kampf nicht zu Ende, die Wut der Armen nicht erloschen und die in der Gesellschaft tief verwurzelte Ungerechtigkeit noch lange nicht beseitigt ist.

Hall, Stuart: Vertrauter Fremder. Ein Leben zwischen zwei Inseln.
Argument Verlag 2020, Fr. 47.90
ISBN ‪978-3-86754-109-1‬

Ein Ausnahmedenker. Lehrer und Theoretiker einer erneuerten Linken. Ein Verknüpfer von Politik, Geschichte, Psychologie un Kultureller Identität. Ein Jamaikaner in England. Sein Leben in der Diaspora. Historisches Denken. Komplexe Gesellschaftskritik. Er war ein gewitzter, höchst souveräner Erzähler, der international berühmte Soziologe Stuart Hall – in diesem Buch tritt das deutlich zutage. Als linker Theoretiker rückte er stets das gesellschaftliche Ganze in den Blick. Hall war ein Begründer der Cultural Studies, um das Alltagsleben als umkämpften Ort sichtbar zu machen, an dem um die Köpfe und Herzen der Menschen gerungen wird. Er analysierte das Wechselspiel von Ideologie, Identität und Repräsentation, hinterfragte linke Politikversuche, nahm die Wirkungsweisen von Hegemonie unter die Lupe, verfasste Studien zur Medien- und Massenkultur, zu Rassismus und zur Neuen Rechten. Er schrieb bis zu seinem Tod an dem Buch, das seine Wissenschaft mit seinem biografischen Werdegang verknüpft. Reichhaltig und erhellend: Die mit gelebter Geschichte gefüllten Memoiren eröffnen Halls persönlichen Zugriff auf Kultur, auf Theorie und Praxis politischen Eingreifens.

Chollet, Mona: Hexen. Die unbesiegte Macht der Frauen. 
Edition Nautilus 2020, Fr. 28.90
ISBN ‪978-3-96054-230-8‬
E-Book ‪978-3-96054-231-5‬

Mona Chollet macht Hexerei zu einer grossen feministischen Metapher und die Hexe zu einem begeisternden Vorbild selbstbestimmter Weiblichkeit.

Crouch, Colin: Gig Economy. Prekäre Arbeit im Zeitalter von Uber, Minijobs und Co. 
Edition Suhrkamp 2019, Fr. 20.50
ISBN ‪978-3-518-12742-1‬
E-Book ‪978-3-518-76368-1‬

Ob Foodora, Deliveroo oder Uber – die Unternehmen der Plattformökonomie bieten denen, die für sie arbeiten, oft das Schlechteste aus beiden Welten: die Unfreiheit von Angestellten gepaart mit der Unsicherheit von Freelancern. Die sogenannte Gig Economy ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Längst ist auch das Standard-Beschäftigungsmodell in die Krise geraten: Minijobs und aufgeweichter Kündigungsschutz, unfreiwillige Teilzeit und Zeitarbeit sind allesamt Facetten einer Entwicklung, die den Arbeitsmarkt des globalen Nordens seit den späten siebziger Jahren erschüttert. Colin Crouch liefert eine differenzierte Analyse und bietet Vorschläge für zeitgemäße Reformen, mit denen die Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt abgefedert werden könnten.

Schnerring, Almut / Verlan, Sascha: Equal Care. Über Fürsorge und Gesellschaft. 
Verbrecher Verlag 2020, Fr. 22.90
ISBN ‪978-3-95732-427-6‬
E-Book ‪978-3-95732-443-6‬

Am Anfang und am Ende des Lebens sind wir darauf angewiesen, dass andere Menschen sich um uns kümmern, bedingungslos fürsorglich sind. Aber auch in den Jahren dazwischen: Wer kocht, räumt auf und putzt? Wer erzieht, betreut und pflegt? Wer hört zu und gibt Rückhalt? Wer ist bereit, die eigenen Wünsche zurückzustellen und sich hier und jetzt um andere zu kümmern? All diese Care-Aufgaben sind in unserer Gesellschaft sehr ungleich verteilt. Im professionellen Bereich sowie im Privaten. Die Grundthese ist: Nur wenn Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern gerecht aufgeteilt wird, haben alle Menschen gleichermaßen die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe, politisch und wirtschaftlich, in Kultur und Wissenschaft, beruflich und privat, auf allen Ebenen und Hierarchiestufen. Ausgehend von den Fragen „Was ist Care?“ (mehr als pflegen
und sauber machen), „Was ist Arbeit?“ (mehr als die reine Erwerbsarbeit auf jeden Fall) und „Wie privat ist Fürsorge eigentlich?“ (gar nicht) beschreibt das Buch die sozialen Verwerfungen, die der Gender Care Gap in den unterschiedlichen Lebensund Gesellschaftsbereichen nach sich zieht (ja, auch Männer sind davon betroffen). Wie kommt es, dass sich allen Erfolgen der Gleichstellungsbewegung zum Trotz im Sorge bereich so wenig verändert hat?

Haller, Lea: Transithandel. Geld- und Warenströme im globalen Kapitalismus. 
Suhrkamp 2019, Fr. 28.90
ISBN ‪978-3-518-12731-5‬
E-Book ‪978-3-518-76202-8‬

Die Veranstaltung im Palace musste dank Corona-Krise verschoben werden. Das Buch gibt es bei uns. 

Kaffee, Baumwolle, Kautschuk: kaum eine Ware, die nicht quer über die Weltmeere verschifft wird. Treibende Kraft dabei sind nicht die Abnehmer, sondern Zwischenhändler. Lea Haller legt nun erstmals eine detaillierte Geschichte des Transithandels vor, der einen gewaltigen Teil der globalen Wirtschaft ausmacht. Am Beispiel der Schweiz, über die heute ein Fünftel des weltweiten Rohstoffhandels abgewickelt wird, zeigt Haller, wie sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts zentrale Techniken und Institutionen der Globalisierung herausbildeten: von Terminbörsen über internationale Schiedsgerichte bis hin zu Steuerprivilegien für multinationale Konzerne. Das Ergebnis ist nichts Geringeres als eine Geschichte der Entstehung des Weltmarktes.

Haider, Lydia: Und wie wir Hassen! 15 Hetzreden. 
Kremair & Scheriau 2020, Fr. 28.90
ISBN ‪978-3-218-01210-2‬
E-Book ‪978-3-218-01218-8‬

Frauen hassen nicht. Sie sind die „Besonnenen“, die „Diplomatischen“, während Männer die Domäne der Hetzrede für sich vereinnahmt haben. Nicht selten mit Frauen als Ziel. Frauen, die sich nicht in ihre Rolle einfügen, die laut, selbstbewusst und unbequem sind. Höchste Zeit, dem Machismus Paroli zu bieten! Lydia Haider hat 15 Autorinnen versammelt – Sibylle Berg, Stefanie Sargnagel, Raphaela Edelbauer u.v.m. -, die mit furiosen Hass- und Wutreden aufwarten: gegen das Patriarchat, gegen die politische Lage, einfach gegen alles! Dabei demontieren sie die Demagogen und Hetzredner unserer Zeit und entlarven die Dynamik des Hasses.Lydia Haider ist es gelungen, einen Band mit Texten zusammenzustellen, die so heterogen wie ihre Autorinnen sind, die von Wut und Verzweiflung erzählen, aber auch Mut machen, Dinge zu ändern und überkommene Strukturen zu hinterfragen. Ein Buch, das für Furore sorgen wird!Mit Texten von Puneh Ansari · Sibylle Berg · Verena Dengler · Ebru Düzgün (Ebow) · Raphaela Edelbauer · Nora Gomringer · Judith Goetz · Gertraud Klemm · Barbi Markovi? · Maria Muhar · Manja Präkels · Kathrin Röggla · Judith Rohrmoser (Klitclique) · Stefanie Sargnagel · Sophia Süßmilch.

Fuchs, Christian / Middelhoff, Paul: Das Netzwerk der Neuen Rechten. Wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern. Rowohlt 2019, Fr. 23.90ISBN ‪978-3-499-63451-2‬E-Book ‪978-3-644-40637-7‬

Immer noch aktuell, erhellend, erschreckend. 

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist ein neues und einflussreiches rechtes Netzwerk aus Stiftungen, Vereinen, Medien und Kampagnen in Deutschland herangewachsen. Seit Jahren spüren Christian Fuchs und Paul Middelhoff ihm nach: seinen öffentlichen Seiten und denen, die im Dunkeln liegen. Für das Buch sind sie durch Deutschland und Europa gereist und haben die wichtigsten Protagonisten der Szene getroffen. Sie waren geheimen Spendern in der Schweiz auf der Spur und mit einem AfD-Politiker in Serbien unterwegs. Sie hatten Zutritt zum Haus der Identitären Bewegung, waren auf einem Festival der Guerilla-Aktivisten und und trafen den Chef von Deutschlands erfolgreichster Hetzseite zum Gespräch in dessen Küche. Während der Recherchen wurden sie bedroht, angelogen und gerieten in den Shitstorms einer rechten Trollarmee. Dieser Report enthüllt zum ersten Mal das ganze Ausmaß des Milieus – seine ideologischen Grundlagen, seine führenden Köpfe, seine wichtigen Zeitschriften, Verlage, Internet-Plattformen, Burschenschaften und die geheimen Finanziers. Viele Verbindungen führen zur AfD, die zum Gravitationszentrum der Strömung geworden ist. Die Autoren zeigen, wie die Neue Rechte versucht, die gesellschaftliche Mitte zu übernehmen. Ihre Erkenntnisse sind alarmierend.

Reeckwitz: Das Ende der Illusionen. Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne.Edition Suhrkamp 2019, Fr. 25.90ISBN ‪978-3-518-12735-3‬E-Book ‪978-3-518-76212-7‬

Über die widersprüchlichen Strukturen der Gegenwartsgesellschaft. 

Noch vor wenigen Jahren richtete sich die westliche Öffentlichkeit in der scheinbaren Gewissheit des gesellschaftlichen Fortschritts ein: Der weltweite Siegeszug von Demokratie und Marktwirtschaft schien unaufhaltsam, Liberalisierung und Emanzipation, Wissensgesellschaft und Pluralisierung der Lebensstile schienen die Leitbegriffe der Zukunft. Spätestens mit dem Brexit und der Wahl Donald Trumps folgte die schmerzhafte Einsicht, dass es sich dabei um Illusionen gehandelt hatte. Tatsächlich wird erst jetzt das Ausmaß des Strukturwandels der Gesellschaft sichtbar: Die alte industrielle Moderne ist von einer Spätmoderne abgelöst worden, die von neuen Polarisierungen und Paradoxien geprägt ist – Fortschritt und Unbehagen liegen dicht beieinander. In einer Reihe von Essays arbeitet Andreas Reckwitz die zentralen Strukturmerkmale der Gegenwart pointiert heraus: die neue Klassengesellschaft, die Eigenschaften einer postindustriellen Ökonomie, den Konflikt um Kultur und Identität, die aus dem Imperativ der Selbstverwirklichung resultierende Erschöpfung und die Krise der Liberalismus.

Jarousseau, Vincent: Die Wurzeln des Zorns. Aus dem Alltag von Menschen, die in unserer Gesellschaft nicht mehr zählen. 
Blessing 2020, Fr. 27.90
ISBN ‪978-3-89667-663-4‬

Woher kommt der Zorn auf die „Eliten“ in so vielen europäischen Ländern? Der preisgekrönte Fotograf Vincent Jarousseau hat in einer französischen Kleinstadt den Alltag von acht Paaren und Familien begleitet, die am unteren Rand der Gesellschaft zu überleben versuchen. Er hat aufgeschrieben und fotografiert, wie sich die arbeitslosen Mittvierziger Guillaume und Aline mit ihren vier Kindern durchschlagen, wie sich die Schülerin Auréline vor Freundinnen für die enge Wohnung ihrer Eltern schämt, oder wie Loics lange liebevolle Beziehung mit seiner Freundin Tatiana langsam in die Brüche geht, weil er trotz aller Behördengänge keinen Führerschein machen kann. Viele resignieren, aber Michael, der endlose Nachtschichten mit dem LKW fährt und der 31-jährige Adrien, der auf Großbaustellen schuftet, schließen sich den Gelbwesten an …Acht spannende Lebensgeschichten zwischen Not und Hoffnung – ein einzigartiger Fotoroman, in dem nichts erfunden ist.

Mrozek: Jugend – Pop – Kulltur. Eine transnationale Geschichte. 
Suhrkamp 2020, Fr. 46.90
ISBN ‪978-3-518-29837-4‬
E-Book ‪978-3-518-75458-0‬

Mitte des 20. Jahrhunderts gab es einen Kulturbruch, einen grundlegenden Wandel der Jugendkultur, einen Kulturbruch. 1956 noch Kriminalität, wurden neue Sounds, Bilder, Körperpraktiken bald selbstverständlich. Dokumente aus sechs Staaten bilden das Material dieser transnationalen Geschichte der Popkultur.

Hofacker, Ernst: Die 70er. Der Sound eines Jahrzehnts.
Reclam 2020, Fr. 38.90
ISBN 978-3-15-011244-1
E-Book 978-3-15-961660-5

Die 70er sind das innovationsfreudigste und folgenreichste Jahrzehnt der Popmusik. So unterschiedliche Genres wie Glam, Punk, Reggae und Metal feiern hier ihren Ursprung, nicht zu vergessen Krautrock, Elektropop, Disco, Prog und sogar Hip-Hop. Ernst Hofacker erzählt die Story dieses einzigartigen Jahrzehnts anhand von zehn exemplarischen Daten. Er entfaltet die popkulturelle Vielschichtigkeit, zeigt auf, wie Trends und ihre Gegenbewegungen entstanden, und verfolgt die gesellschaftlichen Hintergründe und ihr Fortwirken bis heute.

Das bunte Porträt einer Zeit, in der noch galt: Sag mir, was du hörst, und ich sag dir, wer du bist!

Kemper, Peter: Eric Clapton. Ein Leben für den Blues. 
Reclam 2020, Fr. 33.90
ISBN 978-3-15-011214-4
E-Book 978-3-15-961661-2

„Wahrscheinlich gibt es einen Grund dafür, dass ich noch da bin. Und es wird immer wichtiger für mich, diesen Grund herauszufinden“, meint Eric Clapton.Peter Kemper macht sich auf die Suche nach diesen Gründen. Er erzählt davon, wie ein unglücklicher weißer Jugendlicher aus zerrütteten Verhältnissen im Großbritannien der Nachkriegszeit überhaupt auf die Idee kommen konnte, sich dem amerikanischen, schwarzen Blues zu verschreiben. Er schildert, wie der Ausnahmemusiker seinen späteren Drogenkonsum in den Griff bekam, wie er Schicksalsschläge wie den Tod seines Sohnes verarbeitete – und woher Clapton die Kraft nimmt, weiterhin den Blues zu spielen.Zwei Konstanten nimmt Kemper dabei immer wieder in den Blick, nämlich Claptons Blues-Auffassung in Verbindung mit seinem Verständnis von „Blackness“ (wie konnte es etwa zu seinen Entgleisungen in Birmingham gegen Schwarze kommen?) und seine lebenslange Verehrung des Blues-Mythos Robert Johnson (‪1911-1938‬), dem vielleicht einzigen sicheren Bezugspunkt in seinem Leben.Eric Clapton ist der einzige Künstler, dem es gelang, gleich drei Mal in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen zu werden – mit den Yardbirds, mit Cream und für seine Solokarriere. Er gewann 17 Grammys, davon allein sechs im Zusammenhang mit dem bis heute erfolgreichsten Album der Reihe MTV Unplugged.Ein Leben für den Blues erzählt von Claptons Wurzeln, seiner Musik, seiner Weltkarriere – und von seinen Dämonen.

Musiktipp

Tony Allen; Hugh Masekela: Rejoice.
Word Circuit. 2020
Als CD und auf Vinyl.

Musiktipp von Pius Frey

Tony Allen und Hugh Masekela: Rejoice Endlich erscheint das Album, welches in seinen Grundzügen schon 2010 aufgenommen wurde. Eingespielt von zwei ganz grossen Akteuren der afrikanischen Musik. Dem AfrobeatPionier, Schlagzeuger und immer noch produktiven Nigerianer Tony Allen und dem 2018 verstorbenen südafrikanischen Trompeter, Sänger, Musikproduzenten und Anti Apartheid Aktivisten Hugh Masekela. Schon 1984 entschieden sich die zwei Musiker gemeinsam eine Platte aufzunehmen; doch auch nach den Aufnahmen von 2010 wurde das Album nie richtig fertiggestellt. Tony Allen, welcher übrigens dieses Jahr 80 wird, hat nun mit jungen Musikern, mit denen er in den letzten Jahren schon zusammenarbeitete, die Platte Rejoice zum Erscheinen gebracht. Musiker aus dem Umfeld des afro-englischen Ezra Kollektivs und damit von der innovativen Neu-Jazz-Band Kokoroko. Entstanden ist ein wunderbares Werk. Neben einem beeindruckendem Fela Kuti Tribut gibt es Ausflüge in die südafrikanische Musik, ja in die grosse afrikanische Musikwelt. Auf gekonnte Weise verbindet sich Swing, Funk, Jazz und Afrobeat. Tönt es nun nach einem Klassiker oder nach nie Gehörtem? Ist das nun schon das afrikanische Album des Jahres? Hugh Masekela, der wie die meisten südafrikanischen Musiker während der Apartheid ins Exil ging, war in den 60er Jahren in London und New York aktiv, so auch in der Jazz-Szene Manhattan’s. 1984 kam er in Westafrika in engen Kontakt mit Fela und Allen. Es entstanden interessante musikalische Verbindungen. Tony Allen nennt das Südafrika-Nigeria-Swing-Jazz. Mit dem Spirit von Bebop. Der zieht sich auch durch Allens letzte Platte The Source, ein Tribut an die Schlagzeug-Legende Art Blakey. Auf dem nun erschienenen Album Rejoice fliessen verschiedene Sprachen ineinander. Englisch, Yoruba, Zulu. Interessant ist auch, dass beide Musiker sehr offen waren, sich an verschiedensten Projekten beteiligten. Tony Allen ja immer noch. Und Hugh Masekela war Produzent des legendären Grosskonzertes Zaire 74 zu Rumble in the Jungle. Dem legendären Boxkampf zwischen Ali und Foreman in Kinshasa. Dabei kam es, neben der blühenden kongolesischen Musikszene um Franco and T.P. O.K. Jazz oder Tabu Ley Rochereau auch zu einem grossen Auftritt von Miriam Makeba. Rejoice, das nun vorliegende Werk von Allen und Masekela zeigt die meisterliche Zusammenarbeit zwischen den zwei Musikern. Ihre prägende, eigenständige Art Musik zu machen. Im Instrumentalen wie im Gesang. Grosse Musik. 

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