Neue CDs / LPs aus Burkina Faso und Kenya

Burkina Faso, 1984 durch Regierungsübernahme unter dem charismatischen Thomas Sankara aus dem damaligen Obervolta entstanden, ist ein staubtrockener, heisser und armer westafrikanischer Staat. Umgeben von Mali, Elfenbeinküste, Ghana, Togo, Benin und Niger. Und so war auch die Musik dieses Landes immer von den Stilen, Kulturen dieser Länder beeinflusst. Dazu kam die Abhängigkeit von benachbarten Musikstudios und der damit verbundene Austausch zwischen den MusikerInnen. Verschiedene Musikstile verbanden sich. Afrokubanische, Afrokaribische, Afrobeat, Funk und mehr vermischte sich mit örtlichen Rhythmen. Es nahmen auch immer mehr westliche Instrumente ihren Platz ein und die Musik wurde tanzbarer. Grossen Einfluss übten in den 60er Jahren benachbarte Top-Bands wie Bembeya Jazz oder die Rail Band aus. Ab den 70ern entwickelte sich ein aktives Club-Leben in der Hauptstadt Ouagadougou. Die Zeit war politisch sehr unruhig. Eine Regierung sah den grossen Stellenwert einer aktiven Kulturpolitik, andere wieder weniger. In der Zeit des Thomas Sankara (er wurde 1987 ermordet) lebte die Kulturszene förmlich auf. Ein bis heute aktives Resultat ist das bedeutende Filmfestival. Die musikalische Szene war sehr aktiv. Es gab genügend Auftrittsmöglichkeiten und ein gutes Aufnahmestudio. Man spricht von der Goldenen Zeit der Musik Burkina Faso’s. Der vorliegende Sampler ist ein schöner Zeitzeuge. So sind darauf u.a. die grossen Musiker Amadou Balaké oder Abdoulaye Cissé mit ihren Hits zu hören. Und es fällt auf, dass immer wieder mit neuen Instrumenten experimentiert wird. Aber die Erdigkeit bleibt. Keine Weichspühlermusik.
Unbedingt erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang das Fotobuch des Fotografen Sory Sanlé. Es ist im CD-Format rausgekommen und mit drei CDs bestückt. Darauf ist Musik vom Orchestre Volta-Jazz, von Coulibaly Tidiani & Dafra Star und verschiedenen anderen Musikern zu hören. Bobo Yéyé enthält vorwiegend Fotos aus der 70er-Jahre Musikszene Obervoltas. Sory Sanlé fotografierte die Popkultur, die Jugend. Ein grandioser Einblick.


Erfreulich, dass in Kenya das legendäre Orchestre Les Mangelepa wieder aktiv geworden ist. Waren doch diese, von der kongolesischen Musik beeinflussten Orchester in ganz Ostafrika ein wichtiges, lebendiges Kulturgut. Diese Orchester bestehen meist aus drei, vier SängerInnen, einer angriffigen Gitarre, sowie Bass, Perkussion, Keyboard und Bläsern. Damit entsteht ein schwebender, vibrierender, ziehender Tanz-Sound der Extraklasse. Immer von diesem hypnotisierendem Rumba durchzogen. Schön, dass die vorliegende Neuaufnahme die Organilität behält und damit das frische, ungezwungene Spiel im Vordergrund steht. Man glaubt fast nicht das diese Platte erst vor kurzer Zeit in Nairobi aufgenommen wurde. Nach einer ausgedehnten Tour der Band durch Europa.



The Original Sound of Burkina Faso.
6 Tracks. Div. InterpretInnen. CD und Vinyl (LP). Mr. Bongo – Rec.


Bobo Yéyé: Belle Epoque in Upper Volta
nkl. Buch mit Fotos von Sory Sanlé und Begleittexten. 3 CDs (oder LPs). Numero Group


Orchestre Les Mangelepa: Last Band Standing
8 Tracks. CD und Vinyl (LP). Strut-Rec.






Pius Frey

Comedia Buchhandlung St.Gallen
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4.1.2018




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