Bonga

Bairro


Bonga kann wohl als einer der bekanntesten und seit Jahren aktivsten Sänger und Musiker Angolas betrachtet werden. Mit seiner Musik, seinen Gesängen kämpfte er an vorderster Stelle aus dem Exil in Paris gegen die Kolonialmacht Portugal und für ein unabhängiges Angola.
Seine rauchige, sehr individuelle Stimme ist das unüberhörbare Markenzeichen von Bonga. Seine Musik zehrt aus dem grossen Reichtum der angolanischen Musikgeschichte. Hauptsächlich wird Bongas Musik von der Semba bestimmt. Die Vorläuferin der brasilianischen Samba. Mit verschiedenen Musikern in den verschiedensten Formationen machte Bonga in seiner langjährigen Karriere eine grosse Anzahl Musik-Alben. Auf den einen spielen eher kleinere Formationen. So auch auf der aktuellen CD Bairro. Auf andern Produktionen, so etwa auf Mulemba Xangola, schöpft er aus dem Vollen.
Seine erste Platte Angola 72 gilt bis heute als ein Meisterwerk antikolonialer und engagierter Musik. Heute 36 Jahre später singt Bonga immer noch ungebrochen. Seine traurige, melancholische Semba-Stimme kämpft immer noch gegen Ungerechtigkeit, singt über die Tragik des angolanischen Bürgerkrieges, gegen Korruption und nie endend wollendes Unrecht.
Bonga der Freiheitskämpfer, der begnadete Fussballer und nun seit Jahrzehnten der grosse Sänger, der Hüter und Förderer der angolanischen Geschichte und Kultur.
Angola 72 wurde damals im Angola der Kolonialisten verboten. Der Besitz der Platte war strafbar. 1975 wurde Angola unabhängig. Bonga kehrte zurück. Er wird entäuscht. Seit dieser Zeit bewegt sich der tief angolanische Musiker zwischen verschiedenen europäischen Ländern, produziert regelmässig Alben und geht auf Tournee.
Wenn man sich durch Bongas Werk hört findet man praktisch kein abfallendes Stück. Ihm gelingt es immer wieder engagierte Songs und nachdenkliche Stücke mit viel Lebensfreude zu durchströmen. Trauer und Fröhlichkeit gehen in einander über. Neben Gitarren, Bass, Schlagzeug und Akkordeon gibt es bei Bongas Musik auch immer wieder traditionelle Instrumente zu hören. Und dazwischen glänzt der Sänger manchmal mit gekonnten Mundharmonika-Einlagen. Neben der Semba-Melancholie, oft begleitet von schönen Chorstimmen, wird es immer wieder mal ganz lüpfig.
Schön das bis heute Bonga der tiefen angolanischen Musiktradition treu geblieben ist und sie angenehm modernisiert hat. Angola brachte eine grosse Anzahl hervorragender Musiker hervor. Leider verschwanden und verstummten die meisten wieder. Das Exil, der Bürgerkrieg und die Armut raubten die Existenz.

Bonga. Bairro. 14 Tracks. Ca. 50 Minuten Spielzeit. 2008. Lusafrica.

Bonga. Maiorais. 2005. Lusafrica.

Bonga. Angola 72. Als CD 1997 wiederveröffentlicht. Lusafrica.

Pius Frey


9.1.2009




COMEDIA
Katharinengasse 20, Postfach 117
CH-9004 St.Gallen
Tel./Fax (+41) 071 245 80 08
medien@comedia-sg.ch
http://www.comedia-sg.ch